IG Backofen Emstal Tradition des Backens in original erhaltenen Lehmbacköfen des 19. Jahrhunderts

Die Geschichte der Interessengemeinschaft und der Backöfen

Brot gehört zu den Grundnahrungsmitteln. Und da es vor ca. 150 Jahren noch keine Bäcker gab, war die Selbstversorgung das A und O der Emstaler. Deshalb wurde in Emstal bis in die 20er des letzten Jahrhunderts dort Brot gebacken. Die Emstaler backten ihre Brote in 14-tägigem Abstand.

In den insgesamt 20 Backöfen wurde soviel Brot gebacken, dass genügend Brotlaibe für die Bewohner Emstals vorhanden waren. Dieses Brotbacken war vor allem im I. Weltkrieg wichtig, denn es war sozusagen der rettende Anker in diesen schweren Zeiten. In beiden Kriegen wurden die Backöfen mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Nach dem II.Weltkrieg jedoch gerieten die Backöfen mehr oder weniger in Vergessenheit und so kümmerte sich niemand um den Wiederaufbau der Öfen. Erst 1983 wurde das Interesse für die Backöfen wieder erweckt. Die damalige Bürgermeisterin, Lilo Behrendt, stellte die Frage, was denn mit den Backöfen passieren solle da sie ein Schandfleck in der Ortsmitte Emstals darstellten. Die zündende Idee kam vom damaligen LPG-Vorsitzenden und dem heutigen Ortsbürgermeister Herbert Schenk: "Wir restaurieren den noch gut erhaltenen Backofen, Gründen eine Interessengemeinschaft und backen Brot, wie zu Großmutters-Zeiten."

Interessengemeinschaft Backofen

 

GründungsmitgliederAm 14. März 1983 gründeten die 8 Familien Alfred Behrendt, Familie Hans Behrendt, Familie Gerhard Beling, Familie Bernhard Lehmann, Familie Alfred Ryll, Familie Brunhilde Schneider, Familie Klaus-Dieter Weinreich und Familie Herbert Schenk diese Gemeinschaft. Die Familie Bernhard Lehmann stellte die Backstube, da dessen Familie das Müller- und Backhandwerk ausübt. Somit war also geklärt, wer bei diesem Projekt mitwirken würde.

Damit war es aber noch lange nicht getan. Denn ohne Backöfen keine Interessengemeinschaft. Da ja die Meisten Backöfen zerstört waren (früher hatte fast jeder Bauer in Emstal einen Backofen; es waren an die 20 Stück), wurden ein paar neue gebaut.

Kaum war die Interessengemeinschaft gegründet, ging es auch schon ans Werk. Am 19. März gingen alle Mitglieder in den Wald zum Knackbinden. Die Stimmung in der Gruppe war natürlich gespannt und heiter zu gleich. Würde das Projekt gelingen?? Natürlich!!, sagte sich jeder. Nachdem alles gesammelt war, legte man die Knackbunde zum trocknen hin. Der noch gut erhaltene Backofen wurde daraufhin gesäubert, defekte Stellen wurden repariert und mit einer Mischung aus Wasser, Lehm und Stroh neu verschmiert. Dies allein war schon eine harte und schweißtreibende Arbeit und trotzdem wurde sie mit Elan und Freude vollbracht. Die Mitglieder der Gemeinschaft setzten daraufhin den ersten Probebacktermin auf den 28. Mai 1983.

 

3.Backofenfest 1986 - Presseartikel

„Emstaler Kugelbrot" frisch aus dem Backofen

 

Gemeinschaft erforscht Geschichte bäuerlichen Brotbackens

 

Im alten Backhaus von Mönchenhöfe (Kreis Jessen) wird zum Dorffest wieder Brot und Kuchen gebacken. Über diese Nachricht, die kürzlich in der NZ stand, freute sich auch die Interessenge­meinschaft Backofen des Dörf­chens Emstal (Kreis Branden­burg). Just zu diesem Zeitpunkt hatte nämlich ihr nun schon drit­tes Backofenfest rund 2000 Besu­cher angezogen. Kremserfahrten, Modenschauen und eine Ausstel­lung alter bäuerlicher Gerätschaf­ten waren dabei ebenso gefragt wie das „Emstaler Kugelbrot“ und Backofenfleisch nach altem mär­kischem Rezept In Emstal war es der LPG- Vorsitzende Fritz Schenk, der vor vier Jahren neun Familien unter einen Hut brachte. Als Backofen- gemeinschaft, wie es sie seit dem 18. Jahrhundert gab, setzten sie einen der alten Öfen auf dem zen­tralen Backofenplatz instand. Dort wird nun — nicht nur zum Dorf­fest — regelmäßig Brot gebacken. Daß der Ofen eine Woche vorher angeheizt werden muß, die Steine vor Hitze weißglühend sein sol­len, nur Knack (Reisig) als Brennmaterial in Frage kommt — diese und andere technologische Tricks erfragten sie von alten Dorfbewohnern. Emstaler Backfrauen heizen den Ofen zum nächsten Backtag an

Inzwischen sind sie tief in die Geschichte bäuerlichen Brotbackens eingedrungen, geht es ihnen doch nicht nur um den Vierpfundlaib für den eigenen Tisch. Sie wollen vielmehr einen alten Brauch bewahren und ihn für ein Dorffest nutzen. Bei ihren Forschungen stieß die Backofengemeinschaft darauf, daß das „kleinste Bauwerk im Dorf“ seit jeher Spiegel sozialen Lebens in den Gemeinden der Mark Bran­denburg war. So gab in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts nach Mißernten der Zossener Amtsrat Huber ein Rezept für ein „Hun­gerbrot“ heraus, das zu einem er­heblichen Prozentsatz aus Kartof­feln bestand. Vielerorts weigerte sich das Gesinde, dieses Brot zu essen. Es gab Prügeleien mit den Bauern und sogar Prozesse vor Gericht. Streit entstand auch, wer zu einer Backofengemeinschaft gehö­ren sollte. Frauen wohlhabender Bauern weigerten sich, mit einer „ollen Schmuddeljuste“ zusam­men einen Ofen zu benutzen.

Zu nahe ans Gehöft und nach­lässig gebaute Backöfen führten immer wieder zu Bränden. Viele, vor allem verschuldete Bauern legten es sogar darauf an, um mit der Zahlung aus der (Zwangs)- Feuerversicherungskasse neu und besser bauen zu können. Die preu­ßische „Kriegs- und Domänekam- mer“ erließ deshalb am 16.4.1761 ein „Reglement über die Anle­gung von Backöfen in Dörfern“. Vom Einschlagen nicht brand- schutzgerechter Öfen durch die Landreiter und 10 Taler Geld­strafe (eine Kuh kostete damals etwa 15 Taler), bis zu Gefängnis reichten die angedrohten Strafen.

Erhart Hohenstein

 

Verkaufsverbot 1998

 

Die Brotschlacht

 

In Emstal wird Brot ge­backen. Seit 15 Jahren. Jetzt haben's Ordnungs-Spezis entdeckt - und verboten.

 

Emstal (tms). Auf drei Höhepunk­te ist die 370-Seelen-Gemeinde im Amt Lehnin stolz: aufs Brot­backen am Karfreitag, am Pfingst- samstag und am Sonntag nach Pfingsten. Bis zu 2000 Gäste locken die Feste rund um die denkmalgeschützten Backöfen im Dorfzentrum an. Seit 15 Jah­ren. Seit acht Familien in Emstal beschlossen, wieder traditionell Brot zu backen. Dann Ostern ‘98: Am 5. April wurde der Ofen vor­geheizt, am 6. April 100 Kilo Mehl besorgt. Am 7. April las das Ge­werbeamt des Kreises im Amts­blatt vom Backfest, am 8. April wurde das Lehniner Ordnungs­amt und der Backofenverein in­formiert: Das Fest wird untersagt, wegen des Sonn- und Feiertagsge­setzes. Am 9. April erwirkte Her­bert Schenk, Vorsitzender der Backofen-IG, eine Ausnahmege­nehmigung - doch nur fürs Backen, nicht für den Verkauf. Einheimische und Touristen kauf­ten dennoch, plauderten überTra- dition und empörten sich übers jüngste Vorspiel. Aufregung pur. Nur, weil das Fest für die Kreis- Gewerbeämtler plötzlich nicht mehr kulturell, sondern gewerb­lich war. Lehnins Ordnungsamts- chef Winfried Praus gesteht: „Wir sind von der Reaktion des Land­kreises etwas überrascht worden.“ Schenk stört zweierlei: „So eine Veranstaltung kann nicht zwei Ta­ge vor Termin abgesagt werden. Und: Die am Karfreitag durchgeführte Veranstaltung gilt als ‘kul­turhistorisch wertvoll’.“ Per Brief fordert er jetzt eine Stellungnah­me. Bis Antwort kommt, könnte das große; Backofenfest ran sein. Am Sonntag nach Pfingsten.

Backofenfest 1984 - ADN berichtete

Emstal, Dorffest

 

Das Backofenfest 1984 erregte Aufsehen, soviel, dass ADN (der Nachrichtendienst der DDR) den Bildreporter Horst Sturm losschickte und folgende 4 Schlagzeilen samt Fotos produzierte:

Kugelbrot vom Backofenplatz - Neues Volksfest in Emstal begründet

ADN-ZB Sturm -

22.6.84 - bb.

 

Bundesarchiv Bild 183-1984-0622-301 Emstal Dorffest

Frischgebackenes, duftendes "Emstaler Kugelbrot" war beim Backofenfest am Sonntag nach Pfingsten in der kleinen Gemeinde nahe Lehnin im Kreis Brandenburg sehr begehrt. Viele Gäste hatte das Volksfest, das die Emstaler Interessengemeinschaft "Backofen" im vorigen Jahr begründete, wieder herbeigelockt. Die Backofengemeinschaft, der acht Familien des Ortes angehören, hat die heimatliche Tradition gemeinschaftlichen Brotbackens wieder aufleben lassen und dazu einen der historischen Backöfen im Ort, die als Denkmale bäuerlicher Produktionsgeschichte unter Schutz gestellt sind, funktionstüchtig hergerichtet. 

 

Bundesarchiv Bild 183-1984-0622-302 Emstal Kegeln auf dem Dorffest

 

Dicht umlagert war beim Backofenfest in Emstal, das am Sonntag nach Pfingsten wieder viele Gäste in die kleine Gemeinde nahe Lehnin im Kreis Brandenburg lockte, auch die Kegelbahn.

 

Bundesarchiv Bild 183-1984-0622-303 Emstal Dorffest Solidaritätsverkauf

 

 

Bundesarchiv Bild 183-1984-0622-304 Emstal Dorffest

 

Beim Backofenfest am Sonntag nach Pfingsten in der kleinen Gemeinde Emstal nahe Lehnin im Kreis Brandenburg war auch dieses aus "Leihgaben" von Familien des Ortes zusammengestellte reizvolle Schau von Haushaltsgegenständen vergangener Zeiten zu sehen.

Backofengemeinschaft auf der Grünen Woche 2000

Emstaler „Backzunft“ auf Grüner Woche

Alte Tradition des Brotbackens wird in Emstal gepflegt und alljährlich präsentiert

 

Emstal. So wie beispielsweise das „Betten-Rennen“ im pots­dam-mittelmärkischen Freders­dorf hat auch die Gemeinde Em­stal ihren alljährlichen Besucher-Magneten. Seit 1983 strömen immer wieder tausende Gäste an den Sonntagen nach Pfingsten zum „Backofen-Fest“, berichtet Bürgermeister Herbert Schenk.

Damals, vor 17 Jahren, grübelten seine und acht weitere Familien, wie die Back-Tradition des Ortes erhalten werden könne. Denn be­reits 45 Jahre zuvor beklagte der Dorfschullehrer Arndt: „Emstal und seine Backöfen, heute noch ein Begriff, doch wie lange noch, und die rasch schreitende Zeit wird auch damit aufge­räumt haben. Es sind alte Kulturdenk­mäler, die eng mit dem Ortver­wachsen sind.

Man sollte wünschen, dass sie erhalten blei­ben.“

Von den drei Backö­fen, die 1983 auf dem Platz standen, war nur noch einer funktionstüchtig, erinnert sich Schenk. Die Gewöl­be der anderen beiden waren ein­gefallen. Ein vierter Ofen wurde neu errichtet.

Doch, sagt Herbert Schenk, hier in Swina (so der ursprüngliche Name Emstals) habe es um die Jahrhundertwende weit mehr Öfen gegeben. Allein am heuti­gen Standort fünf. Auch am Schweineberg (Brücker Straße) habe es einen anderen Platz mit mehreren Öfen gegeben, und dann gab es auch noch welche auf privaten Grundstücken, die von ihren Besitzern genutzt

„Emstaler Kugelbrot“ heißt die Spezialität, mit der die Gemeinde in den ‘80er Jahren weit über die damaligen Kreis- und Bezirks­grenzen hinaus bekannt wurde. „Anhand der Auto-Kennzeichen sahen wir, dass die Besucher aus der ganzen DDR kamen - von der Ostsee bis zum Erzgebirge“, freut sich Schenk noch heute. Aller­dings ebbten die Besucherzahlen nach der Wende ab. Die Rekorde sind über zehnJahre alt: 4.000 bis 5.000 Besucher rissen sich förm­lich um die Kugelbrote, die auf sehr ursprüngliche Art gemein­schaftlich gebacken wurden und immer noch gebacken werden. „Daran hat sich nichts geändert“, bestätigt der 64jährige.Der Holzbackofen wird mit Knack“ geheizt: Das ist Kiefern- Reisig, das im Wald von den Familien ge­sammelt und dann gebündelt wird“, erklärt Schenk, „Achtzig Bündel werden für einen Backtag benötigt.“ Einen Tag bevor es los geht, setzen die Frauen ge­meinsam mit dem Ex-Bäcker Gerhard Beling den Sauerteig an. An den Backtagen, wie Karfreitag, Pfingst- samstag, beim Backofenfest und einen Tag vor Heilig Abend, müs­sen die Männer heizen. Und dann wird gemeinschaftlich das „Em­staler Kugelbrot“ gebacken. Herbert Schenk bedauert, dass die Emstaler Backofengemein­schaft an einem solchen Tag nur drei „Schüsse“ verkraften könne. Das seien drei Durchgänge mit jeweils 60 Broten. Nur wer sich eine Stunde vorher anstellen würde, hätte eine Chance.

Die Liebhaber des Kugelbrotes wissen seinen kräftigen Ge­schmack zu schätzen. Aber mehr noch sei es, laut Schenk, die Fri­sche, die über mehrere Tage er­halten bleibt. Als es noch nicht an jeder Ecke Brot zu kaufen gab, wurde in den Familien und Ge­meinschaften etwa 14tägig ge­backen. So lange hielt sich das Brot im Steintopf. Und das so ur­sprünglich gebackene Emstaler Kugelbrot bleibt ebenso lange frisch.

Vielleicht werden wir beim Backofenfest 2000 wieder alte Besucherzahlen erreichen, hofft der Bürgermeister. Im vergange­nen Jahr konnten wieder etwa 2.000 Gäste begrüßt werden. Ein Mittel zum Zweck könnte die erstmalige Präsenz auf der Grü­nen Woche in Berlin am heutigen Sonntag sein. Werbung für das Land, die Region und vorallem für Emstal, sagt Herbert Schenk. Jedoch: Nicht mit ihrem Kugel­brot, sondern mit 20 Blechen Ku­chen sind die Emstaler am Stand des Landesbauernverbandes ver­treten, dessen Mitglied die Backofengemeinschaft ist.

Rene Wernitz

Alter Konsum wird zum Backmuseum

Alter Konsum wird zum Backmuseum

EMSTAL Schon 1983 entstand Emstals Backofengemeinschaft. „Damals waren wir alle noch jung und knusprig“, scherzt Bürgermeister und Vereinschef Herbert Schenk. Seit dem 18. Backofenfest im Juni gibt es in Emstal ein eigenes Backofenmuseum.


235 000 Mark hat der Umbau des ehemaligen Dorfkonsums gekostet. Aus dem Schandfleck in der Dorfmitte wurde ein Schmuckstück. Neben einem Aufenthaltsraum, in dem zahlreiche historische Ausstellungsstücke aus alten Bäckereien zu bewundern sind, gibt es einen weiteren, kleinen Backofen zu sehen. Bekannt sind die Emstaler Hobbybäcker für Kugelbrote.

 

Quelle: Märkische Allgemeine, k.A., 31.12.2001

Klassiker und Vollkornvariante

Klassiker und Vollkornvariante Emstaler Backtag mit bäuerlicher Tradition

Von Christine Lummert

EMSTAL Es qualmt gewaltig, wenn Ralf Gruner und sein Heizerkollege die Reisigbündel in den Ofen bugsieren. In EMSTAL war am Pfingstsamstag wieder Backtag. „Bevor unsere Kugelbrote in den Lehmbackofen kommen, haben wir einige Vorbereitungen zu treffen“, berichtete Gruner.

25 Mitglieder zählt die Interessengemeinschaft (IG) Backofen unter dem Vorsitz von Herbert Schenk. Um einen der sieben Backtage im Jahr bestreiten zu können, muss fast die Hälfte der Mannschaft antreten, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Zwei Heizer sind schon am Vortag für einige Stunden gefordert, denn der Ofen muss vorglühen. Vier weitere Mitglieder der IG wirbeln in der Backstube, die im BACKOFENmuseum untergebracht ist, um die Sauerteigmasse genau zum richtigen Zeitpunkt in die richtige Form zu bringen. „Zum zweiten Mal haben wir eine neue Kreation auf dem Programm – neben dem normalen Brot verkaufen wir jetzt auch eine Vollkornvariante“, sagte Bäckermeister Udo Wernitz. Die kommt genauso gut an wie der Klassiker.

Über Absatzschwierigkeiten kann sich Herbert Schenk nicht beklagen. „Besonders an Himmelfahrt haben sich die Brote so gut verkauft, dass für die Vereinsmitglieder kein Krümel übrig geblieben ist.“ Selbst aus Berlin und Potsdam reisen die Leute an, um das noch warme Brot frisch aus dem Ofen mit nach Hause zu nehmen. An Backtagen werden etwa 120 Brote im historischen Lehmbackofen produziert, der zum Gründungszeitpunkt der IG vor 29 Jahren dem Verfall preisgegeben war. „Acht Familien haben sich zusammengetan und den ersten Backofen wieder instand gesetzt“, erzählte Schenk interessierten Besuchern von den Anfängen. Die Bemühungen des Vereins gingen immer weiter. 2001 kam das Backofenmuseum hinzu, das jeden Samstagnachmittag geöffnet hat und außer der Reihe auch angemeldete Gruppen empfängt. „Besonders für Schülergruppen haben wir eine neue Attraktion: eine Römermühle, die mit Muskelkraft gedreht werden muss, um die verschiedenen vorgestellten Getreidearten zu Mehl zu verarbeiten“, berichtete Schenk.

Die heutigen Bäcker können sich einige schwere Handgriffe von Knetmaschinen erleichtern lassen. Die Heizer operieren aber noch nach Jahrhunderte alter Tradition. Nachdem die Reisigbündel verbrannt sind, wird die Asche aus dem Ofen geräumt und mit einen großen Scheuerlappen am Stiel der Ofen gereinigt. Ob die gewünschten 300 Grad zum Backen erreicht sind, überprüfen die Bäcker mit dem Mehl- und Ährentest. Eine Hand voll Mehl auf dem Boden des Backofens und die drei Ähren, die mit dem Backschieber durch den Ofen geschwenkt werden, dürfen sich nur rehbraun verfärben.

 

Quelle: Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 29.05.2012

Eröffnung Museum

Emstal im Juni 2001 - Unser Museum wird eröffnet

 

Heute am 10. Juni 2001 wurde zusammen mit der IG Backofen Emstal das Backofenmuseum mit integrierter Backstube eröffnet.Unser Vereinsvorsitzende Herbert Schenk eröffnet um 10 Uhr das Backofenmuseum.

Museumseröffnung1

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Der Eingang wird frei gemacht für die Besucher

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Vor nicht allzu langer Zeit sah es hier noch so aus:

Doch fleissige Handwerker und wir Vereinsmitglieder haben in vielen Stunden ein kleines Schmuckstück geschaffen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Eröffnung des Backofenmuseums wird Brot und Salz gereicht. Alle warten gespannt, wollen sehen mit was für Geräten und Maschinenfrüher und auch noch heute gebacken wird.

Museumseröffnung6

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Unser Backofenmuseum ist ein Kleinod für unser Dorf. Wir Mitglieder schauen gespannt der Eröffnungsfeier zu.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tagesspiegel vom 4.1.2014


Der Tagesspiegel vom 04.01.2015 / Zum originalen Artikel beim Tagesspiegel

Von Stefan Woll

Backofenmuseum : Kross und knackig

Ansicht museum
Im Backofenmuseum Emstal wird Brottradition gepflegt und demonstriert. Besucher können zum Teil über 100 Jahre alte Exponate bestaunen.

Jeden Tag macht bundesweit eine Backstube dicht. Aufgebackenes beim Discounter ersetzt die handgemachte Schrippe vom Bäcker im Kiez. Diesem Handwerk geht es also richtig schlecht. Und eine offenbar sterbende Tradition taugt, bevor sie auf den Müllhalden der Geschichte landet, in aller Regel vortrefflich für Musealisierung, erst recht, wenn es sich um lokale Alltagshistorie handelt. Das ist auch das Rezept des „Backofen-Museums“ in Emstal, wo vor bald 20 Jahren um Geschichtsvergessenheit besorgte Bürger sich zur „Interessengemeinschaft Backofen“ zusammenfanden.

Diverse Backtage, dazu am Sonnabend nach Pfingsten ein ausgewachsenes „Backofenfest“, gehören seither unverrückbar zum Jahreskalender in dem 385-Seelen-Dorf, einem von 14 Ortsteilen der Gemeinde Kloster Lehnin im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Auch politische Prominenz wie etwa Frank-Walter Steinmeier versäumt es nicht, dem Dorf zu solchen Anlässen ihre Aufwartung zu machen.

Denn reichlich Bilder sind hier garantiert, wenn, gleich gegenüber vom Museum, auf dem Dorfanger in einem der restaurierten Lehmbacköfen die Emstaler Kugelbrote gebacken werden, 60 bis 70 Stück pro Durchgang. Waren es, wie Herbert Schenk sich erinnert, zu DDR-Zeiten noch bis zu 4000 Besucher, die zum nachpfingstlichen Backofenfest strömten, so sind es heutzutage doch deutlich weniger. 1000, immerhin. „Die Kugelbrote, kross und knackig, gehen dann weg wie warme Semmeln“, sagt Schenk. Ein Kilo schwer für drei Euro fünfzig. Es kann vorkommen, dass kaum ein Brot in Emstal bleibt.

Das Bäckereihandwerk hat im Emstal eine lange Tradition

Schenk, LPG-Vorsitzender vor der Wende, ab den 90ern für bald zehn Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister von Emstal, war die treibende Kraft, den gemeinschaftsstiftenden Wert des Backens für den Ort wieder zu entdecken.20 Lehmbacköfen, so erzählt er, soll es früher mal auf dem Dorfanger gegeben haben. Das ist sehr lange her, mehr als 100 Jahre. Auch eine Bockwindmühle und eine Bäckerei hatte Emstal, das noch 1986 von der „Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“ ziemlich unenthusiastisch als „Schönes Dorf im Kreis Brandenburg“ ausgezeichnet wurde.

Gehalten haben sich, wie man erfährt, nahebei bis heute noch Bäckereien in den Ortsteilen Grebs, Lehnin und Rädel. Die Bäckerei Wendler in Nahmitz hat im vergangenen Sommer zugemacht. Gesundheitliche Probleme und Nachwuchssorgen führten hier zum Ende, deutet Udo Wernitz an.

Der Prüfungsobermeister der Bäckerinnung im Land Brandenburg hat 2013 den Vorsitz der Interessengemeinschaft Backofen von Herbert Schenk übernommen. Wernitz ist gelernter Bäckermeister, der heute überwiegend im norddeutschen Raum Bäckereirohstoffe wie Backhefe und -malze vertreibt. Er könnte sich gut und gerne eine Vergrößerung des Backofen-Museums vorstellen, das im Juni 2001 in einer ehemaligen Konsum-Verkaufsstelle öffnete. Denn allein bei Herbert Schenk steht eine Ölpresse; auch hat er Brotschneidegeräte, alte Backschieber, Instrumente zur Teigvorbereitung zwischengelagert. Bisher gibt es keinen Ort, nirgends, wo dies ausgestellt werden könnte. Noch nicht.

Waffeleisen, Backformen, Rührgeräte

Es ist, wenn man so will, ein erweiterter Backofen-Begriff, der dem Museum in Emstal zugrunde liegt. Gerätschaften, zu Teilen aus dem 19. Jahrhundert und aus Nachlässen geschlossener Betriebe von nah und fern, machen deutlich, „wie viel Handwerk und wie wenig Industrie im Backen früher steckte“. Davon ist Wernitz überzeugt. Noch immer gute Dienste verrichten die beiden Knetmaschinen aus Michelsdorf und Prützke, etwa wenn die Backtage näher rücken und schon mal mehr als 100 Kugelbrote angesetzt werden müssen.steinmeier

 

 Es gibt Waffeleisen, Gebäckspritzen, diverse Backformen, eine alte Steinmühle, Informatives über Getreidesorten, Rührgeräte, eine alte Beute (Arbeitsfläche mit Mehlwanne) sowie zahllose Utensilien zum Backen-wie-es-einmal-war, als die Waren noch von Hand entstanden. Kleinode fraglos auch die silbrig-blau schimmernde Fahne der „Bäcker-Innung Lehnin und Umgegend“ oder die aus Porzellan gefertigten Preisschilder aus DDR-Zeiten, die für ein Roggenbrot von 1500 Gramm einen Verkaufspreis von „0,78 M“ oder „0,51 M“ für das gleichgewichtige Vollkornbrot aufriefen.

Neuer Nachwuchs wird gesucht

2000 bis 3000 Besucher jährlich zeigen ihr Interesse an den Exponaten unter dem charakteristischen Pultdach an der alten Lehniner Straße. Es sind dies Wanderer, Pedaleure, Schulklassen, auch schon mal Besucher aus Südamerika oder aus Frankreich – mehr kann der Verein mit seinen 20 Mitgliedern und das Museum, das zugleich Vereinsheim für die Interessengemeinschaft, Tagungsstätte und Besuchercafé ist, gar nicht verkraften.

Und makaber genug: So rasant wachsen, wie das Handwerk von der Bildfläche verschwindet, kann das Backofen-Museum sowieso nicht. Dafür fehlt es ihm an Mitteln – und: an Grund und Boden für eine Erweiterung der Ausstellungsfläche.

Verstärkt bemühen will sich die Interessengemeinschaft Backofen künftig um die jüngere Generation. Die Nachwuchsarbeit bei Traditions- und Nostalgiepflege ist – traditionell – schwierig, bekennt man dort. Erste Erfolge brachte der Emstaler „Kugelbrotlauf“ über acht bis zehn Kilometer rund um’s Dorf, 100 Läufer waren vergangenes Jahr dabei und alle, die ankamen, bekamen ein Kugelbrot.

„Augenmaß und Handgewicht verlässt einen alten Bäcker nicht“

„Sauerteig, Salz, Wasser und Mehl, fertig.“ Aus der genauen Rezeptur dieses Brotes macht auch Gerhardt Beling kein Geheimnis. An den Backtagen kehrt der 71-Jährige für kurze Momente in den Beruf zurück, den er Ende der 50er Jahre in Gartz an der Oder erlernt hat, aus gesundheitlichen Gründen aber nach gut zehn Jahren wieder an den Nagel hängen musste. Seine Fertigkeiten hat er sich allerdings über die Zeiten bewahrt: „Augenmaß und Handgewicht verlässt einen alten Bäcker nicht“, variiert er einen überlieferten Sinnspruch.

Den unverwechselbaren Geschmack schließlich macht auch das Backen im Lehmofen aus, eine Stunde bei etwa 230 Grad, vorgeheizt über Tage mit Kiefernreisig, früher auch schon mal mit Ginster. In die remanente Wärme werden Kuchenbleche oder auch mal – zum „Herrentag“ – Grillhaxen geschoben. Und wer möchte, kann alle Jahre am Tag vor Heiligabend in der Emstaler Dorfmitte auch seinen Weihnachtsbraten abbacken und mit Glück ein Kugelbrot ergattern. Ersatzweise bietet sich dafür der Weg nach Kloster Lehnin an, wo es Brot gibt, das so ähnlich schmecken soll wie in Emstal. Aber eben nur so ähnlich.

Backofen-Museum Emstal, Alte Lehniner Straße 21, 14797 Kloster Lehnin, Ortsteil Emstal (Landkreis Potsdam-Mittelmark); Telefon: 033 82 / 504; geöffnet sonnabends von 14 bis 16 Uhr sowie nach vorheriger Anmeldung, Eintritt frei; Anfahrt mit der Regionalbahn bis Beelitz-Heilstätten, dann mit dem Bus 643 bis Busendorf, von dort im Bus 645 bis Emstal; Informationen auch über die öffentlichen Backtage gibt es im Internet unter backofen-emstal.de

Wir prasentieren uns auf der BUGA 2015

Wir präsentieren uns auf der BUGA 2015

Am 21. Juni 2015 präsentierte sich unser Backofenverein  im Bugapavillon in Brandenburg.

Mit ihrem transportablen Backofen waren die Landfrauen der OG Netzen und der Heimatverein Trechwitz  dabei.

Wir boten den Besuchern kleine Häppchen und frisches Brot mit Schmalz zum kosten  an.

Unsere neue Chronik war  ausgelegt, interessierte Gäste  sahen sie sich genau an und stellten viele Fragen.

Viele Besucher  nahmen sich auch unseren Flyer mit und versprachen, uns mal zu besuchen.

Diese Ausstellung war für unseren Backofenverein ein großer Erfolg.

Daisy

Rezept für Brote bleibt Geheimnis

Rezept für Brote bleibt Geheimnis Fest Andrang rund um Emstaler Backöfen

Von Dirk Guderjan

EMSTAL Niemand brauchte sich Sorgen zu machen als am Samstag schwarzer Qualm über Emstal aufstieg. Die Feuerwehr war schon da und außerdem stammte der Qualm aus zwei kugelförmigen Lehmbacköfen, in denen Reisig knisternd verbrannte.

Die Interessengemeinschaft Backofen, die örtliche Feuerwehr, Angelverein, Jagdverein und die Landfrauen hatten das 27. Emstaler Backofenfest auf die Beine gestellt und der Publikumsandrang war groß. Kein Wunder, zeigte sich doch der Mai endlich wettermäßig von seiner schönen Seite. „Unser Kugelbrot backen wir auf traditionelle Weise im Lehmbackofen“, erklärte der Chef des Backofenvereins Herbert Schenk, „das Rezept dafür bleibt aber unser Geheimnis.“

Und wenn schon traditionell, dann richtig. Zur Zeit der Lehmbacköfen gab es noch keine Thermometer, und die hat der Backofenverein bis heute nicht. Woher man weiß, wann der Ofen die richtige Temperatur hat? Bäckermeister Udo Wernitz zeigte es: Nachdem die Reisigasche aus dem Ofen entfernt wurde, hält er einen Brotschieber in den Ofen, an dem vorn Getreideähren befestigt sind. Nehmen die Ähren eine sattbraune Färbung an, stimmt die Oberhitze. Auf den Boden des Ofens wird Mehl gestreut. Wenn es nicht sofort verbrennt, stimmt auch die Unterhitze.

Fast 70 Brote kamen in einen Ofen. 300 Grad Hitze, eine Stunde Backdauer – fertig ist das Emstaler Kugelbrot. Um die Wartezeit zu verkürzen, gab es rund um die Back-öfen ein buntes Festprogramm. Das Feuerwehrblasorchester Görzke schmetterte Volksmusik über den Platz, beim Angelverein galt es, geschickt mit der Wurfrute umzugehen, und Forstwirt Herbert Pieloth zeigte, wie mit Hilfe einer Kettensäge aus simplen Holzstücken kleine Skulpturen werden.

Nach einer Stunde Backzeit öffnete sich die schwere Eisentür der Backöfen und der typische Geruch von frischem Brot lag in der Luft. Laib für Laib wurde herausgeholt und an den Verkaufsstand von Lisa Ryll und Heidi Beling gebracht. Es dauerte keine Viertelstunde bis eine Ofenladung verkauft war.

Nicht nur das Backen, sondern auch ein Wettbewerb ist beim Backofenfest Tradition: das Tauziehen zwischen Rädel und Emstal. Jeweils sechs Männer aus beiden Ortsteilen zerrten am Samstag am Seil und nach drei Durchgängen standen die Emstaler als die Stärkeren da. Vielleicht liegt es ja am guten Brot.

„Einen Tag vor Heiligabend machen wir sogar den Weihnachtsbraten in unseren Backöfen“, verriet Herbert Schenk noch. „Die Leute bringen ihre Festtagsbraten und wir schieben sie hinein. Es waren sogar schon Berliner da, um bei uns ihren Weihnachtsbraten zu garen.“

Die intakten Lehmbacköfen in Emstal haben sich also herumgesprochen. Da werden an manchen Tag wohl auch weiter schwarze Rauchwolken überm Ort aufsteigen.

 

Quelle: Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 31.05.2010

Jubiläum Emstaler Interessengemeinschaft

„Wir wollten es nur mal probieren“ Jubiläum Emstaler Interessengemeinschaft feierte mit vielen Besuchern ihr 25. Backofenfest

Der Emstaler Backofenverein besteht seit 1983 und feierte am Sonnabend sein 25. Fest.

Von Peter E. Gramse


EMSTAL „Der alte Backofen war ja noch da, also wollten wir es mal probieren.“ So fing das mit den Emstaler Backofenfesten an, im Jahre 1983, berichtet Johanna Schenk.


Der alte Backofen, in dem nach Kriegsende noch gebacken worden war, wurde restauriert, ein paar Jahre später kam ein zweiter, neu errichteter hinzu. Die kulturelle Aktivität wurde von den DDR-Behörden unterstützt, die VDGB (Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe) gab Geld dazu. „Wir sind die alte Truppe“, sagte Johanna Schenk. Sie und ihr Mann Herbert sind von Anfang an dabei. Er ist bis heute Vorsitzender der inzwischen 24 Mitglieder zählenden Interessengemeinschaft Backofen Emstal und außerdem Ortsbürgermeister.


Am Sonnabend konnten die Emstaler das 25-jährige Jubiläum ihres Festes feiern und dazu prominenten Besuch begrüßen. Es kam die Flämingkönigin Maria Friedrich aus Görzke – in Begleitung ihrer Eltern, wie es sich für eine junge Majestät gehört. Von politischer Seite erschienen Günter Baaske, Fraktionsvorsitzender im Landtag, und sein Abgeordnetenkollege Andreas Kuhnert (beide SPD), Kreistagsabgeordneter Harry Grunert (CDU) und Berthold Satzky, Vizebürgermeister der Klostergemeinde. „Das Brot, das man hier erwirbt, schmeckt ganz anders als das aus dem Regal im Supermarkt“, schwärmte Baaske. Zudem stelle es ein Stück Identität der Region dar, die man vor allem den jungen Leuten vermitteln müsse. Sie sollten auch erkennen, wie viel Mühe und Arbeit in so einem Brot steckt.


Über die Herstellung des Brotes und die Vorbereitungen dazu, wie dem Sammeln des Brennmaterials „Knack“, dem langwierigen Anheizen des Ofens und dem Prüfen der Ober- und Unterhitze, berichtete Klaus-Dieter Weinreich vom gleichnamigen Autohaus, zugleich Mitglied der Backofen-Interessengemeinschaft. Satzky übergab dem Vereinsvorsitzenden Schenk einen Umschlag mit 250 Euro Zuwendung der Gemeinde und 100 Euro vom Lehniner Carnevals Verein (LCV), der auch die Tontechnik für das Fest zur Verfügung gestellt hatte. LCV-Präsident Präsident Frank Niewar und sein Stellvertreter Roland Bellin sorgten für Musik und Moderation; Tanzgruppen des LCV, Cheerleader des FC Deetz und eine Country-Tanzgruppe für Bewegung auf der Bühne.


Wie immer trugen Feuerwehr und Vereine des Ortes zum Gelingen des Festes bei, so der Sportverein und der Anglerverein. Landfrauen zeigten alte Traditionen wie Spinnen, Korbflechten, Buttern und Blumenbinden. Dazu kamen zahlreiche private Aussteller und Händler mit Keramik, Holzarbeiten, alten landwirtschaftlichen Geräten, Schweinebraten, Bratwurst und Erbsensuppe, Bier sowie Kaffee und Kuchen.


Der Renner war natürlich wieder das frisch gebackene, noch heiße „Emstaler Kugelbrot“, das mehr als hundertmal über den Verkaufstresen ging.

 

Quelle: Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 19.05.2008

erster Kugelbrotlauf

In Emstal gab’s Preise zum Verzehren Fest 15 Teilnehmer beim ersten Kugelbrotlauf

Von Dirk Guderjan

EMSTAL  Selbstverständlich konnte man sich beim diesjährigen Backofenfest am Samstag in Emstal sein frisch gebackenes Kugelbrot kaufen. Man konnte es sich aber auch „Erlaufen“. Zum ersten Mal fand der „Kugelbrotlauf“ über einen Rundkurs von acht Kilometern statt. Als Preise für die Teilnahme gab es das frische Backwerk aus dem Lehmbackofen.

15 Teilnehmer hatten sich zu dem Lauf angemeldet, der am Gemeindezentrum gestartet wurde. Der Weg führte über den Drei-Ecken-Weg nach Rädel, über den Aussichtspunkt „Zitzel“ und endete direkt im Zentrum von Emstal, wo die Backöfen schon rauchten. Zwar ging kurz nach dem Start ein heftiger Regenschauer nieder, doch einen echten Läufer konnte das nicht schrecken. Über die acht Kilometer konnte Lothar Martin aus Götz nur lächeln. Der 55-Jährige ist ganz anderes gewöhnt. Schon dreimal nahm er am Berlin-Marathon teil, beteiligte sich am Beetzseelauf über 21 Kilometer und läuft auch sonst 80 bis 100 Kilometer in der Woche. „Das Laufen ist für mich wie eine Sucht“, sagt Martin, „ich laufe nicht um zu siegen, sondern einfach nur um dabei zu sein.“ Nach 34 Minuten und 26 Sekunden war der erste im Ziel. Jan Heilek aus Berlin gewann den ersten Kugelbrotlauf und das, obwohl er sich unterwegs sogar verlaufen hatte. Er erhielt seinen knusprigen Siegpreis aus den Händen von Herbert Schenk, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Backofen. Auch einer der jüngsten Läufer, der zehnjährige Vincent Bartolain aus Deetz bewältigte die Strecke und bekam sein Brot.

Wer es gemächlicher angehen wollte, machte beim 2. Lehniner Gemeindewandertag mit. Die 20 Wanderer starteten in Rädel, gingen ebenfalls über den Drei-Ecken-Weg und trafen gut eine Stunde nach den Läufern in Emstal ein. Wer dann noch nicht genug hatte, wanderte nach einer Pause zurück.

RBB beim Backofenverein

Der Backofenverein kommt ins Fernsehen

Dreharbeiten an einem ausserordentlichen Backtag am 10.1.2015

 

Am vergangenen Wochenende haben wir einen außerplanmäßigen Backtag eingelegt. Grund hierfür war die Bitte eines Filmteams des RBB, das eine Sendung über "unser täglich Brot" drehen wollte.

"Uns geht es  in der Sendung um Geschichten rund ums Brot und die Traditionen der Herstellung, insbesondere aber auch um unsere heutige Sicht auf dieses Grundnahrungsmittel. Wir möchten auch auf den erfreulichen Trend zum selber Backen hinweisen und natürlich Menschen vorstellen, die sich dem  traditionellen Brotbacken im Holzofen verschrieben haben." So der Autoren des Films,  Hans Spatschuh und Rainer Burmeister.

Dieser Bitte sind wir gern nachgekommen. Die Dreharbeiten bei stürmischem Wetter waren auch für uns eine interessante Sache, das Ergebnis können Sie hier anschauen

 

 

 

Die Reporter - Unser täglich Brot

30. Backofenfest - MAZ v. 15.6.2014

Dietmar Woidke nimmt Brot auf die Schippe

Zum 30. Jubiläum des Backofenfestes gab es hohen Besuch in Emstal. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hatte sich angesagt. Mit Brot und Salz wurde er von Udo Wernitz, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft (IG) Backofen willkommen geheißen.

Zum 30. Jubiläum des Backofenfestes gab es hohen Besuch in Emstal. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hatte sich angesagt. Mit Brot und Salz wurde er von Udo Wernitz, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft (IG) Backofen willkommen geheißen. Seine Begrüßungsrede startete Woidke gleich mit einer Entschuldigung: „Fünf Jahre war ich Landwirtschaftsminister und habe es leider nie geschafft zum Emstaler Backofenfest zu kommen, deshalb habe die Einladung zum runden Geburtstag jetzt besonders gerne angenommen.“

Nicht nur der Ministerpräsident hat eine Schwäche für die frisch gebackene Brote, von denen er eins mit nach Hause nehmen durfte. Dutzende Besucher warteten geduldig am Stand der IG, um eines der begehrten Kugelbrote zu erstehen. „Immer zum Backofenfest heizen wir, im Gegensatz zu den anderen fünf Backtagen im Jahr, gleich zwei Lehmbacköfen an, sonst könnten wir die große Nachfrage gar nicht bewältigen“, erklärte Wernitz.

15 Mitgliederfamilien zählt die Emstaler IG und die meisten mussten am Samstag früh raus. „Um 8 Uhr haben wir mit dem Backen begonnen, weil wir zuerst einmal alle 102 Teilnehmer des Emstaler Kugelbrotlaufes mit einem Brot versorgen wollten“, sagte Wernitz. Am Vormittag machten sich die Lauffreunde auf einen 7,5 Kilometer langen Rundkurs und nachmittags kamen die gemütlicheren Festbesucher auf ihre Kosten.

Alle Emstaler Vereine, von den Sportlern über die Angler bis zur Feuerwehr waren mit Ständen rund ums Kulinarische vertreten. Ein kleiner Trödelmarkt war aufgebaut und für die Kinder gab es mit Spielebus und Hopseburg genug Gelegenheiten sich zu amüsieren. Bevor am Abend im Festzelt getanzt wurde, sorgten die Cammer-Tänzer, die Tanzgruppe des Lehniner Carnevals Vereins und die Berlin-Brandenburger Bläsergruppe Banda Zampa am Nachmittag für gute Laune unter hunderten Besuchern.

Im Mittelpunkt standen aber natürlich die Lehmbacköfen und das nicht nur weil Ministerpräsident Woidke mit einem Backschieber ein Brot auf die Schippe nahm. „Die Gemeinschaft bildete sich 1983 als Herbert Schenk, mein Vorgänger als Vorsitzender der IG, die Idee hatte, die alten Backöfen in der Ortsmitte wieder herzurichten und wieder regelmäßig darin zu backen“, erklärte Wernitz. Ein Jahr später fand das erste Backofenfest statt und inzwischen hat es sich zu einer festen Größe entwickelt, das nicht nur die Einheimischen anzieht.

Die Wiederbelebung dieser alten dörflichen Tradition hat inzwischen eine ganz eigene Dynamik. Seit über zehn Jahren existiert auch ein Backofenmuseum in Emstal, in dem der Weg der Kugelbrote - vom Getreide auf dem Feld über den Teig in der Backstube bis zum Lehmbackofen – erklärt wird.

Von Christine Lummert

 

Aus Märkische Allgemeine Zeitung vom 15.6.14

Vor 30 Jahren gründete sich die Interessengemeinschaft Emstaler Backofen

EMSTAL - Bei Schneetreiben heizten die Emstaler am Karfreitag ihre Öfen an. Einen weißen Backtag gab es nicht oft in der 30-jährigen Geschichte der Interessengemeinschaft. Die Besucher standen trotzdem Schlange. Alle 130 Brote waren schnell verkauft. Alt wird hier nichts. „Wir freuen uns, dass die Leute unsere Tradition des Brotbackens zu schätzen wissen“, meint Herbert Schenk. Er gehört zu den Hobby-Bäckern der ersten Stunde und führt die Interessengemeinschaft von Beginn an.

 

 

 

Tausende Brote haben seit 1983 die drei Emstaler Backöfen verlassen. Kugelbrote heißen sie, weil die Ein-Kilo-Laibe rund sind. Bernhard Lehmann war es, der beim ersten Backtag vor 30 Jahren zum Namensgeber wurde. Wer seither so viel Teig geknetet, Holz gesammelt und Brote verkauft hat, darf sich ruhig auch einmal selbst feiern. Das haben die 25 Männer und Frauen der Interessengemeinschaft am Sonnabend ausgiebig im Gasthof „Zur Linde“ getan.

Bei ihrer 30-jährigen Gründungsfeier blieben die Emstaler nicht unter sich. Landrat Wolfgang Blasig wollte die Geburtstagsgrüße persönlich überbringen und stellte in Anspielung auf ein Sozialprojekt der Landesregierung fest: „Emstal braucht keinen Dorfkümmerer. Es ist vielleicht nicht das schönste Dorf in Potsdam-Mittelmark – aber eines mit Seele.“ Und dann gestand Blasig, dass der Bau eines eigenen Backofens auf seinem Kleinmachnower Grundstück noch auf der Liste seiner Frau stehe. Gern würde er bei den Emstalern in die Lehre gehen, um Erfahrungen zu sammeln. Die Profis vom Backofenverein hätten jedenfalls nichts dagegen.

Dass es die Emstaler Brotbäcker nach 30 Jahren immer noch gibt, ist vor allem der Kunst zu verdanken, sich ständig zu verjüngen. Was am 14. März 1983 mit acht Gründungsfamilien begann, begeistert inzwischen die nächste Generation. Unter ihnen Rainer Ring, Henry Lohse, Marita Wernitz, Anne Bertz, um nur einige zu nennen. Immerhin sind im Jahr fünf bis sechs Backtage zu absolvieren. Das heißt Freizeit opfern – auch an Feiertagen wie Karfreitag, Himmelfahrt, 3. Oktober oder Pfingstsonnabend. Jedes Jahr stemmen die Emstaler ein Backofenfest, das diesmal am 25. Mai ganz im Zeichen des 30-jährigen Jubiläums stehen wird.

Auch Gerda Behrendt ist mit der Interessengemeinschaft, die unter dem Dach des Kreisbauernverbandes organisiert ist, alt geworden. Die Emstaler Rentnerin ist heute 85. Ihr war es ein besonderes Anliegen den Jüngeren auf der Feierstunde zuzurufen: „Ich bin nur noch für den Kartoffelsalat zuständig. Macht ihr weiter, was wir begonnen haben!“

Einem Mann wurde an diesem Abend aber besonders gedankt – Herbert Schenk. „Kein Amt, keine Partei, keine Regierung und kein Backverbot konnten dich aufhalten“, würdigte Klaus-Dieter Weinreich, dessen Familie zu den Gründungsmitgliedern gehörte, das Wirken des langjährigen Vorsitzenden. Sichtlich bewegt dankte Schenk seinen Mitstreitern, die ihn mit einem Präsentkorb ehrten.

Unvergessen bleibt den Gründervätern die Hilfe von Bäckermeister und Ehrengast Walter Kirstein aus Rädel, der in den DDR-Jahren das Mehl für die Emstaler beschaffte. Kirstein ließ es sich nicht nehmen, höchst persönlich eine Geburtstagstorte für die Jubilare zu fertigen – allerdings in der eigenen Backstube. (Von Frank Bürstenbinder)

Quelle: maerkischeallgemeine.de 09.04.2013

 

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