INTERESSEN-GEMEINSCHAFT BACKOFEN EMSTAL

Tradition des Brotbackens in originalen Lehmbacköfen des 19. Jahrhunderts

Wagenreifen markierte Ofenloch

 

Wie um 1850 in der MArk Brandenburg ein Backofen gebaut wurde

(Artikel original erschienen in den "Brandenburger Neuesten Nachrichten am 27.10.1983)

 

Vor dem Bau prüften der Bauer und der Ofenbauer, ob der Backofen weit von den Gehöften - auch der Nachbarn - und vor allem bequem lag, worauf die Bäuerin Wert legte. Dann begannen die Arbeiter, das 10 Fuß (1 Fuß = 0,31 m) breite Fundament in Form eines runden Grabens auszuschippen, danach grosse Feldsteine hineinzulegen, und zwar so, daß die grossen nach außen, die kleinen in der Mitte zu liegen kamen, bis 3 Fuß über der Erdoberkante erreich waren. Der Ofenmaurer und sein Helfer (Lehmer) strichen das Ganze mit Lehm glatt. Kalk verwendete man nur beim Mauern des Vorbaus.ofenbau1

Ein alter eiserner Wagenreifen gab die gewünschte Höhe des Ofenlochs an. Zuvor hatte der Maurer die beiden Seiten hochgemauert, um dem über dem Reifen gemauerten Bogen ein Widerlager zu geben. Damit war dann die Vorderfront fertig.

Links und Rechts vom Ofenloch befand sich je eine Nische, in welchem auf der einen Seite der Mehltopf stand und auf der anderen die Streichhölzer bzw. der Stahl, Feuerstein und Zunder lagen.

Bei der Backofenmauerei legte der Maurer die Mauersteine auf die flache Kante in Kreisform, nach außen etwas höher. Es folgte die zweite Schicht, aber immer so, daß nicht Fuge auf Fuge kommt, etwa 2 Fuß hoch. Mit Hilfe eines Holzbogens, auf welchem ein Brett lag, um die Steine hochkant zu setzen, wurde die Wölbung gebaut (Lehrgerüst). Zwischen die Steine schüttete man Lehm, und zwar nach außen etwas mehr, um eine Schräge zu  bekommen. Um die Tragfähigkeit zu erhalten, wurden in das Gewölbe Gurte (Gewölbebogen) eingebaut. Für den Ofenbau und die Gurte verwendete man nur leichte und keine hart gebrannten Steine, weil letztere ausbrennen und platzen.

Wesentlich war, die Steine der Vorderfront im Verband zu bauen. Damit die Hitze die Vorderfront nicht auseinanderreisst, baute man über dem Ofenloch eiserne Anker ein. An beiden Seiten und dem hinteren Teil des Ofens befand sich je ein Rauchloch, das so gerichtet war, dass kein Regenwasser in den Ofen eindringen kann. Die Hausfrau legte Mauersteine in die Rauchlöcher und regulierte damit die Hitze. Nachdem der rohbaufertige Backofen genügend luftgetrocknet war, wurden die Holzbögen herausgenommen und ein kleines Rauchfeuer angemacht, um den Ofen vorzuwärmen und vor allem, um undichte Stellen zu erkennen.Wiederaufbau des Ofens -1

Nun folgte der nächste Arbeitsgang. Dazu wurde in der Nähe des Backofens aus einer ebenen Fläche ein Lehmhaufen flach hingeschüttet und mit Wasser begossen, um den Lehm schön zäh zu machen. Das darüber gestreute Stroh wurde mit den Beinen eingetreten, um beides gleichmässig zu vermischen. Das hierzu verwendete Stroh musste recht glatt sein. Nachdem alles gut vermischt war, kam wieder eine Schicht Lehm darüber usw. - bis man glaubte, es sei genug. Der Haufen wurde von der Mitte hernach außen mit einem Misthaken, der nur einen Zinken hatte, auseinandergezogen. Dazu musste der Misthaken zehnmal gedreht werden, bis der mit dem Stroh vermischte Lehm sich herumgewickelt hat. Die so erhaltenen Stücke bezeichnete man als "Pese". Nun saß der Maurer (Lehmer) auf dem Backofen, sein Helfer stand auf einer Bank eund reichte ihm die Pesen zu. Anschliessend bestrichen beide den Ofen von unten nach oben mit Lehm, damit alles sauber aussah.

Der dritte Arbeitsgang war der Bau des "Herdes", so bezeichnete man die Innenfläche des Ofens. Vorn innen im Ofen lagen die Steine hochkant, dann kam auf den Herd trockener Sand, und auf diesen wurden die Mauersteine mit der flachen Seite hineingedrückt, so dass sie ganz weich darin lagen. So ging es von vorn nach hinten. Um die Rundung herauszubekommen, mussten die letzten Steine formgerecht zurechtgeschlagen werden. Das Ganze rieb der Maurer mit einem scharfen Mauerstein (hart gebrannt) ab, um eine recht glatte Fläche zu erhalten. Zum Schluss wurde mit einem Handfeger (Gänseflügel) ausgekehrt. Der Herd musste einwandfrei glatt sein, damit die Hausfrau nicht mit dem "Schützele" (Schieber) beim Hereinschieben des Brotes oder beim Heraushoeln hängenblieb. docu0007

Der letzte Arbeitsgang war der Bau der Überdachung des Backofens und die Errichtung eines kleinen Vorraums, in welchem das zu backende oder gebackene Brot aus der Hand gelegt werden konnte. Die Lebensdauer eines Backofens hing von seiner pfleglichen Behandlung ab. Dazu gehörte, daß er nach Ablauf einiger Jahre einen neuen Roch bekommen musste, d.h. die verwitterte Lehmschicht musste erneuert werden. Dann konnte er älter als ein Menschenleben werden.

 

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