INTERESSEN-GEMEINSCHAFT BACKOFEN EMSTAL

Tradition des Brotbackens in originalen Lehmbacköfen des 19. Jahrhunderts

Emstaler „Backzunft“ auf Grüner Woche

Alte Tradition des Brotbackens wird in Emstal gepflegt und alljährlich präsentiert

 

Emstal. So wie beispielsweise das „Betten-Rennen“ im pots­dam-mittelmärkischen Freders­dorf hat auch die Gemeinde Em­stal ihren alljährlichen Besucher-Magneten. Seit 1983 strömen immer wieder tausende Gäste an den Sonntagen nach Pfingsten zum „Backofen-Fest“, berichtet Bürgermeister Herbert Schenk.

Damals, vor 17 Jahren, grübelten seine und acht weitere Familien, wie die Back-Tradition des Ortes erhalten werden könne. Denn be­reits 45 Jahre zuvor beklagte der Dorfschullehrer Arndt: „Emstal und seine Backöfen, heute noch ein Begriff, doch wie lange noch, und die rasch schreitende Zeit wird auch damit aufge­räumt haben. Es sind alte Kulturdenk­mäler, die eng mit dem Ortver­wachsen sind.

Man sollte wünschen, dass sie erhalten blei­ben.“

Von den drei Backö­fen, die 1983 auf dem Platz standen, war nur noch einer funktionstüchtig, erinnert sich Schenk. Die Gewöl­be der anderen beiden waren ein­gefallen. Ein vierter Ofen wurde neu errichtet.

Doch, sagt Herbert Schenk, hier in Swina (so der ursprüngliche Name Emstals) habe es um die Jahrhundertwende weit mehr Öfen gegeben. Allein am heuti­gen Standort fünf. Auch am Schweineberg (Brücker Straße) habe es einen anderen Platz mit mehreren Öfen gegeben, und dann gab es auch noch welche auf privaten Grundstücken, die von ihren Besitzern genutzt

„Emstaler Kugelbrot“ heißt die Spezialität, mit der die Gemeinde in den ‘80er Jahren weit über die damaligen Kreis- und Bezirks­grenzen hinaus bekannt wurde. „Anhand der Auto-Kennzeichen sahen wir, dass die Besucher aus der ganzen DDR kamen - von der Ostsee bis zum Erzgebirge“, freut sich Schenk noch heute. Aller­dings ebbten die Besucherzahlen nach der Wende ab. Die Rekorde sind über zehnJahre alt: 4.000 bis 5.000 Besucher rissen sich förm­lich um die Kugelbrote, die auf sehr ursprüngliche Art gemein­schaftlich gebacken wurden und immer noch gebacken werden. „Daran hat sich nichts geändert“, bestätigt der 64jährige.Der Holzbackofen wird mit Knack“ geheizt: Das ist Kiefern- Reisig, das im Wald von den Familien ge­sammelt und dann gebündelt wird“, erklärt Schenk, „Achtzig Bündel werden für einen Backtag benötigt.“ Einen Tag bevor es los geht, setzen die Frauen ge­meinsam mit dem Ex-Bäcker Gerhard Beling den Sauerteig an. An den Backtagen, wie Karfreitag, Pfingst- samstag, beim Backofenfest und einen Tag vor Heilig Abend, müs­sen die Männer heizen. Und dann wird gemeinschaftlich das „Em­staler Kugelbrot“ gebacken. Herbert Schenk bedauert, dass die Emstaler Backofengemein­schaft an einem solchen Tag nur drei „Schüsse“ verkraften könne. Das seien drei Durchgänge mit jeweils 60 Broten. Nur wer sich eine Stunde vorher anstellen würde, hätte eine Chance.

Die Liebhaber des Kugelbrotes wissen seinen kräftigen Ge­schmack zu schätzen. Aber mehr noch sei es, laut Schenk, die Fri­sche, die über mehrere Tage er­halten bleibt. Als es noch nicht an jeder Ecke Brot zu kaufen gab, wurde in den Familien und Ge­meinschaften etwa 14tägig ge­backen. So lange hielt sich das Brot im Steintopf. Und das so ur­sprünglich gebackene Emstaler Kugelbrot bleibt ebenso lange frisch.

Vielleicht werden wir beim Backofenfest 2000 wieder alte Besucherzahlen erreichen, hofft der Bürgermeister. Im vergange­nen Jahr konnten wieder etwa 2.000 Gäste begrüßt werden. Ein Mittel zum Zweck könnte die erstmalige Präsenz auf der Grü­nen Woche in Berlin am heutigen Sonntag sein. Werbung für das Land, die Region und vorallem für Emstal, sagt Herbert Schenk. Jedoch: Nicht mit ihrem Kugel­brot, sondern mit 20 Blechen Ku­chen sind die Emstaler am Stand des Landesbauernverbandes ver­treten, dessen Mitglied die Backofengemeinschaft ist.

Rene Wernitz

Nächste Veranstaltung

Anmeldung

Anmeldung für Vereinsmitglieder