INTERESSEN-GEMEINSCHAFT BACKOFEN EMSTAL

Tradition des Brotbackens in originalen Lehmbacköfen des 19. Jahrhunderts

„Emstaler Kugelbrot" frisch aus dem Backofen

 

Gemeinschaft erforscht Geschichte bäuerlichen Brotbackens

 

Im alten Backhaus von Mönchenhöfe (Kreis Jessen) wird zum Dorffest wieder Brot und Kuchen gebacken. Über diese Nachricht, die kürzlich in der NZ stand, freute sich auch die Interessenge­meinschaft Backofen des Dörf­chens Emstal (Kreis Branden­burg). Just zu diesem Zeitpunkt hatte nämlich ihr nun schon drit­tes Backofenfest rund 2000 Besu­cher angezogen. Kremserfahrten, Modenschauen und eine Ausstel­lung alter bäuerlicher Gerätschaf­ten waren dabei ebenso gefragt wie das „Emstaler Kugelbrot“ und Backofenfleisch nach altem mär­kischem Rezept In Emstal war es der LPG- Vorsitzende Fritz Schenk, der vor vier Jahren neun Familien unter einen Hut brachte. Als Backofen- gemeinschaft, wie es sie seit dem 18. Jahrhundert gab, setzten sie einen der alten Öfen auf dem zen­tralen Backofenplatz instand. Dort wird nun — nicht nur zum Dorf­fest — regelmäßig Brot gebacken. Daß der Ofen eine Woche vorher angeheizt werden muß, die Steine vor Hitze weißglühend sein sol­len, nur Knack (Reisig) als Brennmaterial in Frage kommt — diese und andere technologische Tricks erfragten sie von alten Dorfbewohnern. Emstaler Backfrauen heizen den Ofen zum nächsten Backtag an

Inzwischen sind sie tief in die Geschichte bäuerlichen Brotbackens eingedrungen, geht es ihnen doch nicht nur um den Vierpfundlaib für den eigenen Tisch. Sie wollen vielmehr einen alten Brauch bewahren und ihn für ein Dorffest nutzen. Bei ihren Forschungen stieß die Backofengemeinschaft darauf, daß das „kleinste Bauwerk im Dorf“ seit jeher Spiegel sozialen Lebens in den Gemeinden der Mark Bran­denburg war. So gab in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts nach Mißernten der Zossener Amtsrat Huber ein Rezept für ein „Hun­gerbrot“ heraus, das zu einem er­heblichen Prozentsatz aus Kartof­feln bestand. Vielerorts weigerte sich das Gesinde, dieses Brot zu essen. Es gab Prügeleien mit den Bauern und sogar Prozesse vor Gericht. Streit entstand auch, wer zu einer Backofengemeinschaft gehö­ren sollte. Frauen wohlhabender Bauern weigerten sich, mit einer „ollen Schmuddeljuste“ zusam­men einen Ofen zu benutzen.

Zu nahe ans Gehöft und nach­lässig gebaute Backöfen führten immer wieder zu Bränden. Viele, vor allem verschuldete Bauern legten es sogar darauf an, um mit der Zahlung aus der (Zwangs)- Feuerversicherungskasse neu und besser bauen zu können. Die preu­ßische „Kriegs- und Domänekam- mer“ erließ deshalb am 16.4.1761 ein „Reglement über die Anle­gung von Backöfen in Dörfern“. Vom Einschlagen nicht brand- schutzgerechter Öfen durch die Landreiter und 10 Taler Geld­strafe (eine Kuh kostete damals etwa 15 Taler), bis zu Gefängnis reichten die angedrohten Strafen.

Erhart Hohenstein

 

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